Ein Leben in Vietnam als Deutscher


Es war nicht weniger als nach einem 7-monatigen Auslandssemester in Rio de Janeiro, Brasilien, dass ich, ein 24-jähriger Deutscher entschied, mein anstehndes Auslandspraktikum in Vietnam zu absolvieren. Und so war es, dass ich in Mitten der Karneval Zelebrierungen in Rio de Janeiro den Flieger an’s andere Ende der Welt nahm, um in Hanoi ins kalte Wasser zu springen. Ich wollte den kulturellen Schlag ins Gesicht – und ich bekam ihn.

Am Flughafen Hanoi angekommen und meine ersten Kommunikationsprobleme bewältigt, schaffte ich es schließlich, mich in ein Taxu zu buxieren und mich zu meinem neuen, temporären Zuhause bringen zu lassen. Ich fand mich an einem der dynamischsten Plätze wieder, die ich je gesehen hatte. Neben einem Schwein stehend, das auf dem Bürgersteig gegrillt wurde, und einer kompletten mich anstarrenden Straße. „Willkommen in Vietnam“ murmelte ich vor mich hin und wurde beinahe von einer Herde Mottorrädern überfahren. 

 

 

Ich wurde vom Chef meines Praktikums eingeladen, die ersten Wochen bei dessen Familie zu wohnen. Innerhalb der ersten 24 Stunden im Haus bat mich allerdings buchstäblich jeder im Haus, von Enkel bis Großmutter, meinen gesamten 5-monatigen Aufenthalt in Vietnam bei ihnen zu verbringen. Ich könne wärend dieser Zeit Vietnamesisch lernen und im Gegenzug der Familie die Westliche Kultur näherbringen.

Die Familie tat zu jeder Zeit meines Praktikums ihr absolut bestes, um es mir so gut wie nur irgend möglich ergehen zu lassen. Es war schier unmöglich eine ihrer vielen täglichen Mahlzeiten auszulassen oder das Wiederauffüllen meines Glases zu verhindern. Mir ist selten eine so warmherzige Gastfreundlichkeit widerfahren – und dafür musste ich noch nicht einmal ein Wort von dem verstehen, was sie sagten.

 

 

Freundlichkeit fand ihren Anschluss sobald ich zum ersten Mal zu meinem neuen Arbeitsplatz kam. Jeder einzelne Kollege bot mir persönlich die eigene Hilfe an und betrachtete jedes noch so kleine meiner Probleme sein eigenes. Wahnsinn!

Wärend der Mittagpause wurde ich mir in den authentischsten Plätzen das exotischste Essen serviert – Essen so gut wie Essen sein kann, in scheinbar unendlichen Variationen, gesund, nahrhaft und für einen absurd niedrigen Preis.

 


Die eindrucksvollste Beobachtung war wohl die unglaubliche Anzahl an Motorrädern und das Scheinbare Fehlen jeglicher Verkehrsregeln. So etwas wie Vorfahrt gewählen gibt es nicht, geschweige denn Rücksicht nehmen auf den Hintermann – du hupst, fährst zuerst und versuchst nicht gerammt zu werden. An Tag 2 entschied meine Gastfamilie großzügigerweise für mich, dass ich nun bereit sei, selber Motorrad zu fahren. „Du kannst hier nicht Motorrad fahren? Ach was, das passt schon!“

 

 

Meine Erfahrungen in Vietnam waren soweit sowohl beeindruckend als auch belehrend. Ohne Zweifel verlangt es ein gewisses Maß an Anpassungsfähigkeit um sich an die Dinge zu gewöhnen, besonders, wenn du aus einem Westlichen Land kommst, in dem alles fundamental anders ist. Nichtsdestotrotz bin ich absolut beeindruckt von der Freundlichkeit und Offenherzigkeit der Vietnamesischen Bevölkerung. Sei es die Art und Weise wie sie alles teilen, was sie in die Finger bekommen, ihre Gastfreundlichkeit mit der sie dich in ihrer Kultur willkommen heißen oder der Respekt für deinen eigenen Ethnos – ich würde es jeder Gesellschaft nahe legen, sich eine Scheibe von Vietnam abzuschneiden. Und auch wenn ich nur die Oberfläche einer unfassbar komplexen Kultur kennengelernt habe, bin ich überzeugt, dass viele Menschen von den Vietnamesischen Werten und Einstellungen lernen könnten – ich habe es auf jeden Fall! 

Secure

Mit freundlicher Unterstützung von